Heike Koschyk Aus dem Arbeitsalltag einer Autorin

A chinese lion statue

Ihr interessiert Euch für den Arbeitsalltag einer Autorin? Herzlich willkommen!

Auf diesem Blog berichte ich über Hintergründe meiner Arbeit, Spannendes aus der Recherche, lesenswerte Bücher und Wissenswertes aus dem Literaturbetrieb. Er ist für Leser, Autoren oder solche, die es werden wollen und natürlich für all diejenigen, die einfach mal hinter die Kulissen sehen möchten. Ich wünsche Euch viel Spaß dabei!

Nähere Informationen zu meinen Veröffentlichungen findet Ihr auf heike-koschyk.de

Papst Benedikt XVI. erhebt Hildegard von Bingen zur Heiligen

Heike Koschyk 11. Mai 2012

Hildegard von Bingen (1098 – 1179) war eine der bedeutendsten Frauen des deutschen Mittelalters. Eine Frau mit starkem Wesen und charismatischer Ausstrahlung, die die Menschen mit flammenden Einsatz für ein christliches Leben in ihren Bann zog und sich dabei nicht scheute, selbst Päpste, Kirchenfürsten, ja selbst den gefürchteten Kaiser Friedrich Barbarossa in die Schranken zu weisen.
Was ist es, das die Menschen bis in die heutige Zeit fasziniert? Was beeindruckt uns an dieser Frau, die gleichzeitig als Heilige und Heilkundige verehrt wird?

Bereits als 3-jährige empfängt Hildegard Visionen und empfindet die Botschaften des Göttlichen mit einem natürlichen Selbstverständnis. Sie erschrickt zutiefst, als sie später erkennt, dass es anderen nicht so ergeht.
Mit acht Jahren wird sie als das zehnte Kind einer Adelsfamilie aus dem Geschlecht Bermersheim an Jutta von Sponheim zur frommen Erziehung und Ausbildung gegeben und bezieht mit ihr sechs Jahre später die neu errichtete Frauenklause am Benediktinerkloster Disibodenberg. Das Empfangen von Visionen wahrt sie als Geheimnis, bedeckt all die wundervollen Bilder und Botschaften mit Schweigen – bis zu der Zeit, in der Gott es offenbaren will.

Erst 1141, mit 42 Jahren, ist der Zeitpunkt gekommen. Hildegard, inzwischen zur Lehrmeisterin gewählt, umfängt ein feuriges Licht, das ihren Körper durchströmt. Mit einem Mal erschließt sich ihr der Sinn der Schriften und sie vernimmt deutlich den Auftrag: „Schreib, was du siehst und hörst.“ Es entsteht ihr erstes Werk, „Scivias – Wisse die Wege“, in dem sie die gewaltigen Dimensionen und Hintergründe der Schöpfung und der Erlösung beschreibt.
Die Schriften beeindrucken nach anfänglicher Zurückhaltung auch den einflussreichen Abt Bernhard von Clairvaux, an den sich Hildegard ratsuchend wendet. Auf der Synode in Trier setzt er sich beim Papst Eugen III. für sie ein. Der Papst selbst liest, nach eingehender Prüfung ihrer Sehergabe, die Visionsschriften vor den versammelten Kardinälen vor und erteilt Hildegard damit die höchste kirchliche Anerkennung. Das ist der Beginn ihres öffentlichen Engagements, dem Auszug aus dem zurückgezogenen Lebens des Kloster Disibodenberg, mitten hinein in das Zentrum kirchlicher und politischer Macht.

Nun endlich auch erhält sie die Unterstützung, gegen den erbitterten Widerstand der Mönche, aus dem Schatten der mächtigen Männerabtei herauszutreten und mit ihren 18 Nonnen ein eigenes Kloster zu gründen.
An der Stelle, an der in einem kleinen Heiligtum des Heiligen Rupertus gedacht wird, entsteht das Kloster Rupertsberg, das rasch zum Anziehungspunkt für Rat- und Hilfesuchende wird. Sie empfängt Bischöfe und Kaiser, Fürsten und Bauern. Für jeden hat sie ein offenes Ohr und die richtigen Worte.

Auf dem Rupertsberg entstehen weitere, unvergängliche Werke, in denen Hildegard die Welt als Kunstwerk Gottes beschreibt. Der Mensch als Teil eines großen Makrokosmos, in dem alles miteinander verbunden ist und nichts geschieht, ohne das andere zu beeinflussen. In dessen Inneren sich all das widerspiegelt, was er Außen erfährt. Hildegard schreibt von der Heilung kranker Menschen durch Hinwendung zum Glauben und mit Hilfe von Heilkräften, die Gott in die Natur gelegt hat.
Durch einen umfangreichen Briefwechsel mit Päpsten, Bischöfen und Herrschern nimmt sie mit unerschrockener Direktheit, aber auch humorvoller Großherzigkeit weitreichenden Einfluss auf kirchliche und politische Belange. Unzählige Geistliche mahnte sie zu mehr Glaubwürdigkeit und weniger Gefallsucht und predigt in ausgedehnten Missionsreisen öffentlich die Hinwendung zu Gott und dem Geist Gottes in der Schöpfung.
Hildegard wird 81 Jahre alt. Als sie am 17. September 1179 stirbt, erstrahlt am Himmel ein helles Lichtkreuz.

Der Antrag zur Kanonisation wurde erst 1228 gestellt und niemals durchgesetzt. Erst im September 2010 setzte Papst Benedikt XVI. ein erstes Zeichen, als er sie als „Prophetin von großer Aktualität und Gesandte Gottes sowie als weise Frau, die wach und mutig die Zeichen der Zeit erkannte“ bezeichnete. Am 10. Mai 2012 teilte die vatikanische Heiligsprechungskongregation mit, dass der Papst die Mystikerin und Äbtissin zur Heiligen der Unniversalkirche erhoben hat.
Aus Hildegard von Bingen, seit Jahrhunderten als Volksheilige verehrt, ist eine Heilige geworden.

Die Biographie “Hildegard von Bingen – Ein Leben im Licht” ist erschienen im Aufbau-Verlag.

Weiterführende Links:

Radio Vatikan

Abtei St. Hildegard

Vom historischen Kriminalfall zum Gemeinschaftsroman – Ein Interview

Heike Koschyk 7. März 2012

Seit Anfang des vergangenen Jahres arbeiten mein Autorenkollege Alf Leue und ich als Herausgeber des neuen Gemeinschaftsromans des Autorenkreises Quo Vadis. Nun sind beinahe alle Beiträge eingegangen, Cover und Titel stehen fest, die Arbeit neigt sich dem Ende zu. In sechs Wochen ist Abgabe.
Wie sieht die Arbeit eines Herausgeberteams aus und welchen Vorteil hat das Konzept eines Perspektivenromans?

Diese und weitere Fragen stellte uns Katrin Burseg (ganz herzlichen Dank!), Pressesprecherin von Quo Vadis in einem Interview, das sie für die Homepage des Autorenkreises schrieb und welches ich hier in voller Länge abbilde.

 

„Ein Krimi, den das Leben schrieb“

Heike Koschyk und Alf Leue sind die Herausgeber des vierten Gemeinschaftsromans, den Quo Vadis zusammen mit dem Aufbau Verlag im Herbst 2012 veröffentlicht. In „Die vierte Zeugin“, so der Arbeitstitel, beschreiben zwölf Meister des historischen Genres einen historischen Kriminalfall, der im 16. Jahrhundert ganz Köln in Atem hielt. Mit dabei sind unter anderen Oliver Poetzsch, Tanja Kinkel, Titus Müller und Peter Prange.

Quo Vadis: Ein historischer Kriminalfall, zwölf Autoren, zwölf Protagonisten: Mit „Die vierte Zeugin“ habt ihr ein ehrgeiziges Projekt aus der Taufe gehoben. Wie habt ihr euch darauf vorbereitet?

Heike Koschyk, Alf Leue: Wir haben analysiert, was bei den vorangegangenen Romanen dieser Reihe gut und was nicht so gut gelaufen ist. Beispielsweise wurde von den Lesern kritisiert, dass die Beiträge durch stilistische Brüche innerhalb einer integrierten Romanhandlung zu zerrissen wirkten. Da dies aber bei zwölf Autoren nicht ausbleibt, sondern eine logische Konsequenz zwölf verschiedener Stile ist, haben wir uns für einen Perspektivenromans entschieden. Dafür haben wir ein sehr umfangreiches Projektexposé entwickelt, in dem Figurenbeschreibungen, historische Hintergründe, detaillierte Karten, der Plot und sogar ein Storyboard Einzug gefunden haben. Dieses wurde auf einem eigens für die Autoren eingerichteten Server bereitgestellt und nach jedem Beitrag aktualisiert. So wollten wir gewährleisten, dass der Plot trotz größtmöglicher stilistischer Freiheit der Autoren im Ganzen stimmig bleibt.

QV: Der Roman basiert auf einem authentischen Kriminalfall. Wie seid ihr darauf aufmerksam geworden?

HK, AL: Grundlage für den Roman bildet ein historisches Dokument, das durch die Einnahmen der von Tanja Schurkus im Jahre 2009 initiierten Quo-Vadis-Benefizlesungen restauriert werden konnte. Es handelt sich dabei um eine alte Kölner Gerichtsakte. Faszinierend daran war, dass zum einen auch nach 500 Jahren Zweifel blieben, was sich tatsächlich zugetragen hat und zum anderen, dass der Fall als eine Art Referenzurteil angesehen wurde, in dessen Entscheid sich sogar der deutsche Kaiser und die englische Königin Maria Stuart eingemischt haben. Eigentlich ging es nur um eine Ladung Stoff aus Antwerpen und die Geschäftsfähigkeit von Ehefrauen, doch dahinter steckte weit mehr politische Brisanz, als es den Anschein machte: Liebe, Mordverdacht, Betrug, Ketzerei – alles historisch belegbar. Ein Krimi, den das Leben schrieb.

QV: Für den Roman habt ihr eine besondere Form gewählt, jeder Autor schildert den Fall aus der Sicht eines Protagonisten. So kommen etwa Kläger und Beklagte, Richter und Anwalt sowie Zeugen zu Wort. Was ist der Vorteil dieses Konzeptes?

HK, AL: Durch die direkte Perspektive der Protagonisten wird dem Leser der Fall Agnes Imhoff (original: Agnes im Hove) auf unterschiedliche Weise nahegebracht. Das erzeugt ein hohes Maß an Spannung: Ist die Angeklagte so unschuldig, wie manche glauben, oder ist sie eine Betrügerin und am Ende sogar Schuld am Tod ihres Mannes? Für die Autoren selbst bedeutet diese Vorgehensweise eine Arbeitserleichterung, denn der Verfasser muss seinen Beitrag nicht erst schreiben, wenn er alle anderen gelesen hat. Das macht terminlich freier und bedeutet für alle denselben Vorbereitungsaufwand.

QV: Inzwischen ist ein Großteil der Texte bei euch eingelaufen – geht euer Plan auf?

HK, AL: Theorie und Praxis sind ja bekanntlich zwei paar Schuh. Dennoch funktioniert unser Konzept erstaunlich gut und das nicht nur wegen einer intensiven Planung, sondern auch, weil sich alle Beteiligten darauf einlassen. Die eingegangenen Beträge verdichten sich mehr und mehr zu einer spannenden Geschichte. Es macht Spaß, das Ganze wachsen zu sehen. Die Qualität der eingereichten Beiträge ist sehr hoch, was nicht verwundert, wenn man einen Blick auf die beteiligten Autoren wirft.

QV: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit so vielen unterschiedlichen Autoren und Persönlichkeiten?

HK, AL: Wenn man so ein Projekt auf dieser Basis plant, geht man davon aus, dass die beteiligten Autoren Team-Player sind. Glücklicherweise haben alle das Gesamtprojekt als Ziel vor Augen. Es gibt natürlich unterschiedliche Auffassungen und Bereitschaften und uns als Herausgeber fällt bisweilen auch eine mediale Aufgabe zu. Aber das lief bisher sehr gut und wir haben immer im Konsens eine Lösung im Sinne des Projektes gefunden, wenn es zu Diskussionen kam.

QV: Was fasziniert euch besonders an dem Gemeinschaftsprojekt?

HK, AL: Die Möglichkeit, mit so vielen hochkarätigen Autoren ein gemeinsames Projekt umzusetzen und die historische Grundlage, auf dem dieses Projekt fußt. Zudem können wir mit dem Roman einen wichtigen Beitrag leisten: Das Augenmerk auf die unzähligen Archivalien lenken, die nach dem Zusammensturz des Kölner Archivs noch immer auf Spenden zur Restaurierung warten.

QV: Gibt es Überraschungen, etwa Entwicklungen im Plot, die zu Beginn so nicht absehbar waren?

HK, AL: Nein, der Plot ist gut geplant, aber natürlich gab es hinsichtlich der Figurenentwicklung die eine oder andere Wendung, die wir im Storyboard anpassen mussten, denn dies lag ja im Ermessen der jeweiligen Autoren. Überraschend wird es vor allem für den Leser, der die eingebauten Winkelzüge und Entwicklungen nicht kennt.

QV: Der Roman soll im Herbst erscheinen, für die Buchpräsentation plant ihr einen Event in Köln. Was könnt ihr heute schon verraten?

HK, AL: Laut Verlag erfolgt die Auslieferung an den Buchhandel am 1. Oktober 2012, und wir stehen mittlerweile in engem Kontakt mit der „Stiftung Stadtgedächtnis“, die für das Sammeln von Spenden für die Restaurierung der beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Jahre 2009 zerstörten Dokumente verantwortlich ist. Mit dem Vorstand der Stiftung sind wir in der Vorplanungsphase für eine gemeinsam ausgerichtete Präsentation mit allen beteiligten Autorinnen und Autoren. Wenn etwas Neues zu berichten gibt, posten wir die Infos auf unserer facebook-Projektseite „Aus 12 Federn“.

QV: Hand aufs Herz: Wie viel Zeit und Energie habt ihr bislang in das Projekt investiert, und würdet ihr so etwas noch einmal machen?

HK, AL: Wir investieren sehr viel Zeit (mehrere hundert Arbeitsstunden!), Herzblut, Leidenschaft und Engagement in die Umsetzung des Romans und es macht auch unglaublich viel Spaß, so ein besonderes Projekt realisieren zu dürfen. Dennoch war der Aufwand überproportional groß. Antwort: Nein, so ein Projekt würden wir zu diesen Konditionen nicht mehr machen.

QV: Was wünscht ihr euch für den Roman?

HK, AL: Den Erfolg, den er verdient hat und eine höchstmögliche Aufmerksamkeit für die Arbeit der Stiftung Stadtgedächtnis in Köln.

 

Der Gemeinschaftsroman: „Die vierte Zeugin“ (AT) erscheint am 1. Oktober 2012 im Aufbau Verlag. Mit dabei sind: Martina André, Caren Benedikt, Katrin Burseg, Lena Falkenhagen, Tanja Kinkel, Marlene Klaus, Heike Koschyk (Hrsg.), Alf Leue (Hrsg.), Titus Müller, Oliver Pötsch, Peter Prange und Ulf Schiewe. Mit einem Nachwort von Tanja Schurkus.

Die Buchpremiere

Heike Koschyk 25. Januar 2012

Am Silvesterabend habe ich mir geschworen, mich nicht mehr in meiner Arbeit zu verzetteln. Der regelmäßige Leser dieses Blogs kennt diverse Aufzählungen meiner Aufgaben und es kamen stetig neue hinzu.
In diesem Jahr allerdings soll das alles anders werden, so habe ich mit Blick auf den bunten Silvesterhimmel geschworen. Ich lerne, „Nein“ zu sagen, auszumisten und vor allem die Dinge zu tun, die auf meiner Liste ganz oben stehen. Zum Beispiel endlich über die Buchpremiere von “Die Alchemie der Nacht” berichten, die bereits im Oktober stattfand:

Die Veranstaltung sollte genau auf das Buch zugeschnitten sein und wo kann man einen Medizinkrimi zwischen Aberglaube und Wissenschaft besser inszenieren, als in den Gewölben des historischen Eiskellers Hamburg? Tage vorher schleppten wir Tische und Stühle über zwei Treppen in die Tiefe, dekorierten Kerzen, Spinnweben, Efeu und rote Samtvorhänge, stellten einen Totenkopf auf das Lesungspult. Die Musiker übten alte Studentenlieder ein, Zigeunerweisen oder einen Choral. Das bestellte Buffet trug den Namen „alchemistisch“ und sollte den Beweis antreten, dass man auch mit ungewöhnlich gewürztem Essen verzaubern kann. Ich feilte mit Sprechtrainerin Annalena Schmidt an meinem Ausdruck und kaufte ein nachtblaues Kleid, über dessen Aussehen via Facebook und Twitter abgestimmt wurde.

Und dann war es soweit …


Eine Lesung vor hundertzwanzig Gästen inklusive Live-Übertragung via LovelyBooks? Man kann sich vorstellen, dass ich nervös war. Wie nervös, das sah man gleich zu Beginn, als ich die Zuhörer mit ausgeschaltetem Mikrofon begrüßte und es dann, als es endlich Ton hatte, sogleich wieder vom Ständer fallen ließ. Aber je länger ich las und aus dem 18. Jahrhundert erzählte, desto stärker übertrug sich die positive Stimmung der Gäste. Die Vergangenheit wurde plötzlich greifbar! Musik und Text ließen Bilder entstehen, im Saal herrschte aufmerksame Stille. Schließlich stellte Karla Paul die Fragen der LovelyBooks-Leser und sie zu beantworten, hat einen unglaublichen Spaß gemacht!

 

Hatte ich doch tatsächlich kurz vor der Premierenlesung gesagt, das mache ich bestimmt nie wieder? Ich korrigiere mich. Die nächste Buchpremiere kommt bestimmt. Dazu allerdings muss das nächste Buch geschrieben sein. Ein weiterer wichtiger Punkt auf meiner Liste …

Mehr Bilder des Abends gibt es auf meiner Facebook-Seite.

 

Das Video zur Buchpremiere:

Meine Buchmesse-Highlights 2011

Heike Koschyk 16. Oktober 2011

Die Buchmesse ist immer ein ganz besonderer Jahres-Höhepunkt. Was kann es schöneres geben, als durch die Gänge zu gehen, sich an den unzähligen Büchern zu berauschen und sich mit Autorenkollegen und anderen Buchliebhabern zu treffen? Drei Tage lang war ich in Frankfurt und ich habe jeden einzelnen genossen.

 

Mittwoch, 12. Oktober

Gemeinsam mit meinem Autorenkollegen Alf Leue besuchte ich das Flamingoprojekt von Literatwo. Ich bewundere es sehr, mit welchem Herzblut sich Binea & Mr. Rail der Literatur in all ihren Facetten widmen. Daumen hoch!

 

Donnerstag, 13. Oktober

Eines der vielen besonderen Momente dieses Tages war das Wiedersehen mit Miriam Semrau (@krimimimi33), mit der ich nicht nur die Leidenschaft für gute Bücher teile, sondern auch die für Sushi. Und zu meiner Freude hat das Sushiko am Schweizer Platz eine selten gute Auswahl japanischer Köstlichkeiten!

 

Freitag, 14. Oktober

Dieser Tag stand ganz im Zeichen des Autorenkreises Quo Vadis. Mit den beiden Sprecherinnen Marion Henneberg und Susanne Wahl war ich in meiner Funktion als Marketingleiterin unterwegs. Das Jahr 2012 bringt viele neue Kooperationen, Events und Neuigkeiten, von der ich auf der Homepage des Autorenkreises nach und nach berichten werde. Ganz besonders schön war das Autoren- und Lesertreffen auf dem Stand des Gmeiner-Verlages!

 

Ja, und da gab es noch etwas, das sich auf der Buchmesse konkretisierte und mich mit ungebremster Spannung und freudiger Erwartung ins nächste Jahr blicken lässt. Aber davon zu berichten ist es noch nicht an der Zeit …

Ruhe vor dem Sturm

Heike Koschyk 5. Oktober 2011

Für einen Schriftsteller gibt es nichts Aufregenderes, als die Veröffentlichung eines Werkes. Mir geht es nicht anders.

Über Monate habe ich den Plot entwickelt, Fäden geknüpft und mich einem Schreibrausch hingegeben, der mich auslaugte, antrieb, beflügelte. Ich war in Unibibliotheken und auf Friedhöfen, habe mich in die Tiefen der alchemistischen Literatur begeben, die Behandlung Wahnsinniger studiert und Erstaunliches über die Medizin im 18. Jahrhundert gelernt. Wie veredelt man Marzipan? Und was trieb Hahnemann zur Homöopathie?

 

Nun ist es fertig, liegt in der Druckerei, bereit zur Reise in den Buchhandel. Ich halte inne. Ruhe vor dem Sturm oder Sturm vor der Ruhe?

Werden die Leser meinen Roman annehmen, die Figuren, deren Hoffnung, Liebe, Leid? Werden sie das Buch verschlingen, das Kopfkino sehen, das ich Ihnen anbiete?

Ich wünsche es mir. Euch allen viel Spaß beim Lesen!

 

 

Nachtrag am 16. Oktober: Die Belegexemplare sind angekommen! Ein schönes Gefühl …

Die Entstehung eines Buchtrailers

Heike Koschyk 23. August 2011

Ich muss zugeben: Ich bin stolz. Ja, stolz auf eines meiner Werke und, nein, es ist kein Buch. Ich bin stolz auf den neuen Buchtrailer zu “Die Alchemie der Nacht” und ich hoffe, ich darf das so offen sagen, denn im Allgemeinen bin ich eher ein bescheidener Mensch.
„Der Trailer ist die Visitenkarte des Buches“, heißt es inzwischen; in der Verlagsbranche wie auch im Netz. Und noch bevor ich das Buch beendet hatte, wusste ich, dass es einen Trailer verdient. Eine Kleinigkeit, dachte ich und freute mich auf die Produktion.
Es gab Tage, da hätte ich das Konzept am liebsten in der Luft zerrissen, wie die Seiten eines schlechten Romans. Statt dessen habe ich Szenen in meinen Computer getippt und wieder gelöscht. Storyboards entworfen und wieder verworfen. Wie presst man ein ganzes Buch in eineinhalb Minuten?

Um den Zuschauer und hoffentlich künftigen Leser emotional zu berühren, braucht man gute Musik. Es gibt etliche gute Plattformen, die einem gemafreie Sounds anbieten. Die meisten Werke klingen nach Heimorgel und es dauert Tage, um die echten Perlen herauszufischen. Hat man endlich das passende Stück gefunden, werden die Bilder ergänzt, zumeist von einer der großen Online-Bildagenturen, die auch Videos anbieten. Der Rest wird gescannt oder selbst gedreht und es entsteht eine kunterbunte Collage, die langsam Form annimmt.
Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man süchtig wird. Tag und Nacht vor dem Computer sitzt, Sequenzen im professionellen Schnittprogramm zusammenstellt, Szenen schneidet und Tonspuren harmonisiert. Wer hätte gedacht, dass sich das teure Fechtgeräusch auch ganz leicht mit der Aufnahme wetzender Messer nachstellen lässt! Und passen die vor Jahren gespeicherten Geräusche einer laufenden, schwer atmenden Frau nicht genau in die Stelle, wo die Kamera in wilder Fahrt durch den Wald zoomt?
Mit einmal ging alles wie von selbst. Dank der freundlichen Vermittlung meines Autorenkollegen Alf Leue bekam ich den Kontakt zum Schauspieler und Moderatoren Martin L. Schäfer, der eine ganz wundervolle Stimme hat und dem Trailer den letzten Schliff gab.
Nun ist er fertig und ich freue mich, ihn Euch vorzustellen. Ich wünsche Euch ganz viel Spaß beim Ansehen ☺

Über die Recherche vor Ort. Ein Geständnis …

Heike Koschyk 15. Juni 2011

Ich muss Euch ein Geständnis machen: Wenn ich einen historischen Roman schreibe, besuche ich den Ort erst, nachdem das Manuskript bereits fertig ist.
„Das geht ja gar nicht“, höre ich einige von Euch rufen. „Wie will man denn sonst die dortige Stimmung, die Gebäude und Schauplätze beschreiben?“
Ja, aber genau das ist es doch! Ich schreibe Geschichten aus dem 12. oder aus dem 18. Jahrhundert. Und ich habe Angst, enttäuscht zu werden, um meine Fantasie betrogen, wenn ich inmitten einer Stadt stehe, in der Leuchtreklamen blinken und mit gläsernen Fassaden um die Aufmerksamkeit des Besuchers buhlen. Was nützt mir ein verfallener Rest Stadtmauer zwischen H&M, einem türkischen Schnellimbiss und der chemischen Reinigung?

Als ich über Jena schrieb, der Stadt, in der „Die Alchemie der Nacht“ spielt, hatte ich einen Stapel alter Reisebeschreibungen aus dem 18. Jahrhundert auf dem Schreibtisch. Daneben Briefe damaliger Studenten, die Eindrücke ihrer Stadt nach Hause schickten, das umfangreiche Werk eines Botanikers, der die umgebende Flora und Fauna mit größter Bildhaftigkeit schilderte, einen farbigen Stadtplan aus dem Jahr 1758.
Meine Fantasie schlug Purzelbäume. Ich hatte alles vor meinem inneren Auge: Das Straßenpflaster, die Fassaden der Häuser, den Anatomieturm, die wildherbe Landschaft des Rauhtals. Was würde davon übrig bleiben, wenn ich mich im Jena der heutigen Zeit wiederfand?

Als ich die Stadt vergangene Woche besuchte, wusste ich: Es war genau die richtige Entscheidung, dies erst jetzt zu tun!

Wo früher enge Gassen der Altstadt lagen, waren ganze Straßenzüge verschwunden und hatten einem glänzenden Turmbau Platz gemacht, davor ein riesiger Parkplatz.

Kopfsteinpflaster wurde zu Asphalt, der Anatomieturm ein Stumpf, mit Graffiti besprüht; das ehemalige Universitätsgebäude verbaut. Auf dem Weg zur Saalbrücke passierte ich Waxstudio und Tatooshop. Meine Heldin lief plötzlich die Gassen entlang, mit einem Coffee to go-Becher in der Hand, an Nordseefisch vorbei zu ihrer Wohnung ;-)

Nein, mein Jena habe ich nicht wiedergefunden. Dafür eine moderne Studentenstadt mit zeitgemäßem Charme. Der neu gestaltete Marktplatz ist wirklich sehenswert. Und welcher Student darf schon in einem Schloss lernen, in dem sogar Goethe residierte?

Schließlich gab es am Ende ein paar Ecken, für die sich die Reise dann doch gelohnt hat: Das große Haus mit Kiesplatz, in dem einst Hufeland gewohnt hatte. Der alte Friedhof, über den er in meinem Roman gerannt war, um seinen Freund vor dem Tod zu retten, die alte Kirche mit den Efeuranken. Auf dem Weg durch die umliegenden Wälder bis hin zum Fuchsturm, vor dem sich früher Studenten duellierten, staunte ich über die Schönheit der Landschaft, die bereits in jenen alten Briefen beschrieben worden war, die während des Schreibens auf meinem Tisch lagen.

Endlich spürte ich ihn: den Hauch der Geschichte.

Zurück in Hamburg. Vor mir liegen die Seitenumbrüche der Druckfahne, eine letzte Chance zur Korrektur. Aber alles ist gut so, wie es ist. Und ich würde es jederzeit wieder so machen.

Abenteuer Herausgeberschaft: Projekt Gemeinschaftsroman

Heike Koschyk 5. Mai 2011

Mit Schrecken stelle ich fest, wie lange ich nicht mehr aus meinem Autorenalltag erzählt habe. Aber der aufmerksame Leser weiß, dass ich Ende März Abgabetermin meines neuen Romans „Die Alchemie der Nacht“ hatte, der am 7. Oktober bei Rütten & Loening erscheint.

Inzwischen ist die Arbeit nicht weniger geworden. Meine Aufgabe als Marketingleiterin beim Autorenkreis Quo Vadis hat viel Zeit in Anspruch genommen, ebenso ein wundervolles Projekt, das mich bereits seit Monaten beschäftigt und nun endgültig Gestalt annimmt:

Der neue Gemeinschaftsroman des Autorenkreises Quo Vadis, der im Herbst 2012 im Aufbau Verlag erscheint.
Er basiert auf einem Dokument, das beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs verschüttet worden war und für dessen Restaurierung Mitglieder des Autorenkreises im April 2010 in deutschlandweiten Benefizlesungen gesammelt haben. Diese Urkunde ist Teil eines Gerichtsverfahrens, das im 16. Jahrhundert ganz Köln in Atem hielt und seine Kreise bis in die europäischen Königshäuser zog.

Zwölf Autorinnen und Autoren arbeiten an einer Geschichte. Das bedeutet zwölf Schreibstile, zwölf Ideen, zwölf Sichtweisen …
Damit die unterschiedlichen Herangehensweisen für den Leser Sinn ergeben, haben sich mein Mitherausgeber Alf Leue und ich etwas ganz Besonderes erdacht: Der Gemeinschaftsroman ist ein Perspektivenroman!
Bis auf die AutorInnen, die Prolog und Epilog schreiben, erhalten alle eine ganz eigene Figur, die sie mit Leben füllen: mit Aussehen, Charakter, Motivationen und Vergangenem. In den jeweiligen Kapiteln werden sie aus deren Sicht das Gerichtsverfahren verfolgen und immer wieder Zweifel an den tatsächlichen Motiven der Angeklagten wecken.

Nachdem Alf und ich über Monate ein beinahe 100-seitiges Projektexposé mit Einteilung der Figuren, historischen Hintergründen, Plotbeschreibung und Storyboard erstellt haben, sind nun auch die Figurenausarbeitungen der einzelnen AutorInnen bei uns angelangt und mitsamt den hinzugekommenen Nebensträngen in eine Figurenkartei eingebaut.
Es ist wirklich großartig, welche Gedanken sich jeder Einzelne gemacht hat! Aus dem Gerüst der Herausgeber ist eine wunderbare, komplexe Handlung entstanden, die nun bis zum März 2012 niedergeschrieben wird.

Den Anfang macht Ulf Schiewe, in dessen ersten beiden Kapiteln ein Anwalt zu Wort kommt, der die Angeklagte verteidigen soll. Doch hält er diese wirklich für unschuldig?

Und hier alle AutorInnen, die in diesem Projekt mitwirken (in alphabetischer Reihenfolge):
Martina André
Caren Benedikt
Katrin Burseg
Lena Falkenhagen
Tanja Kinkel
Marlene Klaus
Heike Koschyk (Hrsg.)
Alf Leue (Hrsg.)
Titus Müller
Oliver Pötzsch
Peter Prange
Ulf Schiewe

Das Nachwort schreibt die Organisatorin der Benefizlesungen Tanja Schurkus.

Was für ein Team! Ich freue mich auf die kommenden Monate und auf jedes einzelne Kapitel dieser wunderbaren KollegInnen. ☺

Ein Koschyk bei Aldi: Lust oder Frust?

Heike Koschyk 8. Januar 2011

Nun, eigentlich befinde ich mich in einer erweiterten Phase der Schreibklausur. Aber eine Meldung hat mich zwischen aktuell drängendem Manuskript und anstehender Plotentwicklung zum Gemeinschaftsroman doch dazu bewogen, meine Enthaltsamkeit zu verlassen: Heike Koschyk gab es in der Woche vom 20. Dezember auch bei Aldi.
Meine Freude darüber hält sich in Grenzen. Natürlich war ich positiv überrascht, als mein – vor rund zehn Jahren erschienener – Krimi „Der Duft der Aphrodite“ noch einen Verlag fand, den mein Agent als „seriösen Wiederverwerter“ ankündigte. Die Edition Nova sei beständig auf der Suche nach guten Romanstoffen, die sich in einer Stückzahl von 10.000 + verkaufen ließen. Aber dass mein alter Krimi einmal zwischen Konsalik und Stephan Frey zu einem Preis von € 1,99 bei Aldi landet, das hätte ich mir nie träumen lassen.
Nicht, dass ich mich dort niemals blicken ließe. Ich liebe die wunderbar zarten Hähnchenfilets oder den unverschämt guten Krabbensalat. Aber eines meiner abgelegten Werke, verramscht zwischen Badetüchern und digitalen Bilderrahmen?
Ich bin gespannt, was Ihr dazu sagt. Ein Koschyk bei Aldi: Lust oder Frust?

Schreibklausur

Heike Koschyk 8. Dezember 2010

Manchmal lasse ich mich gerne ablenken. Heute zum Beispiel. Da sitze ich zwischen Buchtürmen mit klangvollen Titeln, wie „Logenbrüder, Alchemisten und Studenten“ oder „Medizin der Goethezeit“ und statt die gewonnenen Erkenntnisse in meinen neuen historischen Krimi einzubauen, schau ich rasch in die Twitter-Timeline, lasse mich von interessanten Artikeln treiben und stelle fest, dass ich meinen Blog ein wenig verwaisen lasse.
Aber: Ich bin in Schreibklausur!
Nach den Vorbereitungen für „Bonsoir Histoire“, der Frankfurter Buchmesse, den Vorarbeiten an einem Gemeinschaftsroman, dessen Mitherausgeberin ich bin (ja, Ihr habt richtig gelesen, aber dazu ein anderes Mal mehr), nach der Historica in Karlsruhe, diversen Autorenportraits auf der Facebookseite des Autorenkreises Quo Vadis und diverser anderer spannender Projekte, läuft meinem Manuskript die Zeit davon.
Ich igele mich also wieder ein, lasse mich auf den Text ein, verfolge wunderbare Handlungsstränge und schwelge in einer Zeit, in der man mit Hilfe von Elektrisierapparaten versuchte, Tote zu erwecken und Organe für mechanische Geräte hielt.
Sollte ich also vor dem Fest nicht wieder auftauchen, wünsche ich Euch heute schon: FROHE WEIHNACHTEN!

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